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Ergebnisse der ersten sozialwissenschaftlichen Langzeitbegleitung deutscher Einsatzsoldatinnen und -soldaten veröffentlicht:

"Leben nach Afghanistan - die Soldaten und Veteranen der Generation Einsatz der Bundeswehr. Ergebnisse der sozialwissenschaftlichen Langzeitbegleitung des 22. Kontingents ISAF" von Anja Seiffert und Julius Heß.

Wie prägt der Einsatz in Afghanistan (Einsatz-)Soldaten und Veteranen der Bundeswehr? Welche Erfahrungen mit Gefahren, Gewalt und Entbehrungen haben sie im Afghanistaneinsatz gemacht? Wie gehen sie mit diesen Erfahrungen längerfristig um? Welche Folgen hat der Einsatz für ihre Familien und ihre berufliche Entwicklung gezeitigt? Wie denken sie bald drei Jahre nach der Rückkehr über den Einsatz, über den Soldatenberuf, über Belastungen im Einsatz und im Dienst/Beruf? Wie hat Afghanistan langfristig ihr Leben verändert und was wünschen sie sich als (Einsatz-)Soldaten und Veteranen von deutscher Politik und Gesellschaft?

 

Ein Forscherteam des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw) begleitete die Angehörigen des 22. Kontingents ISAF über einen Zeitraum von mehr als vier Jahren – sowohl im Jahr 2010 während des Einsatzes in Afghanistan als auch nach der Rückkehr. Die Ergebnisse beruhen auf mehreren schriftlichen Befragungen des gesamten Kontingents sowie auf teilnehmender Beobachtung im Einsatzland, Interviews und Gruppendiskussionen. Befragt wurden sowohl die noch im aktiven Dienst befindlichen (Einsatz-)Soldaten als auch die nach dem Einsatz aus der Bundeswehr ausgeschiedenen Veteranen des Kontingents.

 

Das Forschungsprojekt ist die erste sozialwissenschaftliche Langzeitbefragung deutscher (Einsatz-)Soldaten und Veteranen. Die Studie zeichnet ein differenziertes Bild des Einsatzes und der Lebensrealität von (Einsatz-)Soldaten und Veteranen der Bundeswehr. Der überwiegende Teil der Einsatzrückkehrer hat die Erfahrungen in Afghanistan positiv in das Selbstbild integriert. Viele sagen, an dem Einsatz gewachsen zu sein, fühlen sich gelassener, psychisch belastbarer und wissen das Leben in Deutschland jetzt mehr zu schätzen.

Trotz hoher familiärer Belastungen sind auch die meisten Partnerschaften stabil geblieben. Nicht wenige Paare sind aus Sicht der Befragten sogar gestärkt aus der Einsatzzeit hervorgegangen. Diese Befunde gelten aber nicht für alle. Die Angehörigen des 22. Kontingents haben eine der intensivsten Phasen des Engagements der Bundeswehr in Afghanistan erlebt. Viele waren lebensbedrohlichen Situationen ausgesetzt, standen in Gefechten und haben Tod und Verwundung unter Kameraden erlebt. Das ist nicht spurlos an ihnen vorübergegangen.

 

Obwohl aus Perspektive der meisten die Integration in das familiäre und berufliche Leben nach der Rückkehr gut gelungen ist, fällt es ihnen auch noch drei Jahre später schwer, außerhalb des Kameradenkreis über ihre Erfahrungen zu sprechen und etwa jeder Zehnte des Kontingents berichtet noch von anhaltenden körperlichen oder seelischen Verletzungen, von Fremdheitsgefühlen im Alltag.

 

Dennoch würde eine Mehrzahl erneut freiwillig in den Einsatz gehen. Ein Großteil der Soldaten und Veteranen ist stolz auf das von ihnen und ihren Kameraden Geleistete. Die Bilanz des gesamten Afghanistanengagements fällt jedoch differenziert aus. Die Anerkennung durch deutsche Politik und Gesellschaft ist dabei wie auch die erfahrene Wertschätzung im sozialen und beruflichen Umfeld ist entscheidend für die soziale Integration von (Einsatz-)Soldaten und Veteranen der Bundeswehr.


Forschungsbericht "Leben nach Afghanistan".pdf
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Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an den
Pressesprecher Oberstleutnant Dr. Harald Potempa
(zmsbwpressestelle@bundeswehr.org), Telefon +49 331 9714-400.